Im Grunde hasse ich Fotografien (...). Ich verachte Leute, die fortwährend am Fotografieren sind und die ganze Zeit mit ihrem Fotoapparat um den Hals herumlaufen. Fortwährend sind sie auf der Suche nach einem Motiv und sie fotografieren alles und jedes, selbst das Unsinnigste. (...) sie halten auf ihren Fotos eine pervers verzerrte Welt fest, die mit der wirklichen nichts als diese perverse Verzerrung gemein hat, an welcher sie sich schuldig gemacht haben. Das Fotografieren ist eine gemeine Sucht, von welcher nach und nach die ganze Menschheit erfasst ist, weil sie in die Verzerrung und Perversität nicht nur verliebt, sondern vernarrt ist und tatsächlich vor lauter Fotografieren mit der Zeit die verzerrte und die perverse Welt für die einzig wahre nimmt. (...) Das Fotografieren ist eine niederträchtige Leidenschaft, von welcher alle Erdteile, von welcher die ganze Menschheit befallen ist und von welcher sie nie mehr geheilt werden kann.
Thomas Bernhard, Auslöschung
181###0#0